{"id":82,"date":"2021-02-07T15:15:19","date_gmt":"2021-02-07T14:15:19","guid":{"rendered":"http:\/\/klima.acaju.de\/?page_id=82"},"modified":"2021-02-07T15:15:43","modified_gmt":"2021-02-07T14:15:43","slug":"wissenschaftliche-grundlagen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/klima.acaju.de\/?page_id=82","title":{"rendered":"Wissenschaftliche Grundlagen"},"content":{"rendered":"<p>Bei einem hochenergetischen Zusammensto\u00df von Wasserstoffkernen (Protonen) wird Energie frei. Das ist das Prinzip, wie die Sonne funktioniert. Dies versucht man angemessen auf der Erde nachzuvollziehen. Die Problematik liegt darin, dass es eine Eins zu Eins \u00dcbertragung aus den physikalischen Prozessen der Sonne auf der Erde nicht geben kann. Das liegt daran, dass die riesigen Gravitationskr\u00e4fte der Sonne zum Zusammenhalt des sogenannten Plasmas (ionisiertes Gas, die Kerne sind von den Elektronen abgetrennt), die den Zusammensto\u00df erst erm\u00f6glichen, es auf der Erde nicht gibt. Man muss deshalb mit viel h\u00f6heren Temperaturen auf der Erde arbeiten, und in einem kleineren Gef\u00e4\u00df das Plasma in einem magnetischen Feld einfangen. Es gibt zwei Konstruktionsprinzipien. Seit den 50er Jahren wird das sogenannte Tokamak-Prinzip, eine russische Entwicklung, verfolgt. Aber auch damals schon gab es das sogenannte Stellarator-Prinzip, dass man wegen seiner hohen Komplexit\u00e4t fallen gelassen hatte. Seit Ende der 80er, Anfang der 90er Jahren verfolgt man wieder das Stellarator-Prinzip, da man nun den notwendigen Rechenaufwand realisieren kann, um das daf\u00fcr notwendige komplizierte Magnetfeld berechnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Am weitesten fortgeschritten ist die Entwicklung beim internationalen CITER-Projekt in Frankreich, das dem Tokamak-Prinzip folgt. Das erste Plama wird man dort voraussichtlich 2025 z\u00fcnden k\u00f6nnen. 2035 erwartet man die ersten Experimente mit positiver Energiebilanz. Erst danach soll das erste realistische Kraftwerk aufgebaut werden. China wird wohl schon deutlich fr\u00fcher mit dem Aufbau eines Kraftwerks anfangen. Aus diesem internationalen Projekt k\u00f6nnen alle beteiligten Staaten die gewonnenen Erkenntnisse f\u00fcr sich \u00fcbernehmen. Die hohe organisatorische Komplexit\u00e4t durch die Beteiligung von 35 Staaten (EU z\u00e4hlt m. W. dabei als ein Staat, es gibt keine direkte Beteiligung von EU-Staaten.) f\u00fchrt nat\u00fcrlich zu einem ungeheuren Verschlei\u00df von Ressourcen und etliche Verz\u00f6gerungen bei der Entwicklung dieses Projekts. Aber es ist ein internationales Friedensprojekt, daf\u00fcr sollte uns jedes Geld recht sein. In Deutschland wird sowohl in M\u00fcnchen als auch in Greifswald an den unterschiedlichen Prinzipien Tokamak vs. Stellarator gearbeitet. Das Stellarator- Prinzip wird in Greifswald verfolgt (Wendelstein-7X) und scheint sehr erfolgreich zu sein.<\/p>\n<p>Aber auch bei optimistischen Sch\u00e4tzungen d\u00fcrfte keines der beiden Prinzipien noch einen nennenswerten Beitrag zur Abwehr der anstehenden Klimakatastrophe leisten. Wir werden mit erfolgreichen Kraftwerken nicht vor 2050 rechnen k\u00f6nnen, einen Zeitpunkt, zu dem wir Klimaneutralit\u00e4t erreicht haben m\u00fcssten, um bis 2100 eine Reduzierung der Erderw\u00e4rmung auf 1,5 Grad zu erreichen. Das bedeutet allerdings nicht, dass man diese Entwicklung schleifen lassen sollte oder \u2013 wie manche Gegner fordern \u2013 abbrechen sollte. Es gibt \u2013 so hoffe ich \u2013 auch ein Leben in 100 und 200 Jahren und der Energiebedarf wird wachsen und wachsen, besonders wenn es uns gelingt den Klimawandel in den Griff zu bekommen.<\/p>\n<p>Einen sehr guten \u00dcberblick \u00fcber die Entwicklung des ITER-Projekts bietet dieser Beitrag:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.baublatt.ch\/baupraxis\/iter-der-groesste-fusionsreaktor-der-welt-27265\">https:\/\/www.baublatt.ch\/baupraxis\/iter-der-groesste-fusionsreaktor-der-welt-27265<\/a><\/p>\n<p>Auf Youtube gibt es zahlreiche Beitr\u00e4ge zur Wasserstofffusion. Kurz, verst\u00e4ndlich und pr\u00e4zise wie immer die Beitr\u00e4ge von Harald Lesch<\/p>\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\">\n<div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<div class=\"fitvids-video\">\n<div class=\"fluid-width-video-wrapper\"><iframe title=\"Kernfusion: Klimaretter oder Milliardengrab? | Harald Lesch\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/nVTcirxdRWM?feature=oembed\" name=\"fitvid0\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\" data-mce-fragment=\"1\"><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/figure>\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\">\n<div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<div class=\"fitvids-video\">\n<div class=\"fluid-width-video-wrapper\"><iframe title=\"Kernfusion erkl\u00e4rt mit Harald Lesch - Alpha Centauri\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/_vT_Qjp0HWg?feature=oembed\" name=\"fitvid1\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\" data-mce-fragment=\"1\"><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/figure>\n<p>Sehr gr\u00fcndlich und gut verst\u00e4ndlich sind die Vorlesungen von Hartmut Zorn, dem f\u00fchrenden deutschen Wissenschaftler auf diesem Gebiet, u.a.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\">\n<div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<div class=\"fitvids-video\">\n<div class=\"fluid-width-video-wrapper\"><iframe title=\"Bau eines Fusionsreaktors \u2022 Tokamak Stellarator ITER \u2022 Live im H\u00f6rsaal | Hartmut Zohm\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/2Pv4vQYWEuY?feature=oembed\" name=\"fitvid2\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\" data-mce-fragment=\"1\"><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/figure>\n<h2>Politische Situation in Deutschland<\/h2>\n<p>Die Gr\u00fcnen, genauer die Fraktion der Gr\u00fcnen, haben 2019 im Bundestag einen Antrag eingebracht\u00a0<a href=\"http:\/\/dipbt.bundestag.de\/doc\/btd\/19\/102\/1910221.pdf\">http:\/\/dipbt.bundestag.de\/doc\/btd\/19\/102\/1910221.pdf<\/a>,<\/p>\n<p>1. Die Gelder f\u00fcr das ITER-Projekt nicht als Klimaschutzma\u00dfnahme auszuweisen und<\/p>\n<p>2. Die Energieforschung auf das Erreichen \u00a0der Energiewende auf der Basis Erneuerbarer Energien\u00a0 \u2026 zu konzentrieren.<\/p>\n<p>Es gibt gewiss einige Gr\u00fcnde dem ersten Punkt zuzustimmen. Im 2. Punkt wird es nicht explizit gesagt, aber letztlich gemeint, dass man das ganze Projekt nicht weiter unterst\u00fctzen sollte, da die Gelder an anderer Stelle besser verwendbar w\u00e4ren. Dass sie dabei internationale Verpflichtungen fast schon in Trumpscher Manier mit den F\u00fc\u00dfen treten, macht eigentlich nur sprachlos. Ein internationales Friedensprojekt, einen gewaltigen wissenschaftlichen Fortschritt, wie er jetzt schon sichtbar ist, obwohl ein Ende dieses Projektes noch nicht absehbar ist, aufzuk\u00fcndigen, kann man nur als katastrophales politisches Versagen bezeichnen. Der 2. Punkt scheint auch zu zeigen, dass man sich bei den Gr\u00fcnen durchaus nicht einig ist, sonst w\u00e4re er klarer formuliert worden. Wenn man den extrem ITER-feindlichen Fl\u00fcgel der Gr\u00fcnen studieren will, dann sind die Beitr\u00e4ge von MDB Sylvia Kotting-Uhl empfehlenswert, u. a.\u00a0<a href=\"https:\/\/kotting-uhl.de\/site\/europaeische-energieforschung-auf-dem-atomaren-irrweg\/\">https:\/\/kotting-uhl.de\/site\/europaeische-energieforschung-auf-dem-atomaren-irrweg\/<\/a>. Ein paar Zitate: \u201eDie Fusionsforschung ist ein Milliardengrab ohne Aussicht auf nennenswerte Erfolge\u2026. Die zentrale, schlecht regelbare Gro\u00dfstromerzeugung von Fusionsreaktoren ist schon heute nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df.\u00a0\u2026 \u00a0produzieren Atomm\u00fcll, f\u00fcr den es bisher kein Endlager gibt.\u201c Und nun nimmt sie auch die SPD f\u00fcr sich in Anspruch \u201eEs ist gut und richtig, dass Umweltministerin Hendricks das Vorhaben der EU-Kommission als \u201everr\u00fcckte und unverantwortliche Idee\u201c gei\u00dfelt und Wirtschaftsminister Gabriel feststellt, dass \u201ewir jede Form der europ\u00e4ischen F\u00f6rderung von Atomenergie ablehnen\u201c.\u201c<\/p>\n<p>Schema: Wasserstofffusion ist Atomenergie, Atomenergie ist schlecht. So macht sich Klein-Fritzchen oder Klein-Sylvia die Welt einfach.<\/p>\n<p>2015 hatte sich im Bundestag Sigmar Gabriel damals als Wirtschaftsminister der Grundhaltung der Gr\u00fcnen weitgehend angeschlossen. Man kann sich nicht vorstellen, dass er dabei auf gro\u00dfe Gegenliebe z. B. bei Manuela Schwesig gesto\u00dfen ist, die eine ausgesprochene Bef\u00fcrworterin der Wasserstofffusions-Forschung ist, da sie nat\u00fcrlich ein gro\u00dfartiges Aush\u00e4ngeschild f\u00fcr Ihr Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ist. Dennoch, dass damals Gabriel im Bundestag leichtsinnig solche \u00c4u\u00dferungen gemacht hat, zeigt wohl dass es innerhalb der SPD auch \u00e4hnlich kleinkariertes Denken wie bei den Gr\u00fcnen geben k\u00f6nnte. Es geht wie immer mal wieder ums Geld. Es spielt dabei keine Rolle dass das EEG dem Steuer- und Geb\u00fchrenzahler j\u00e4hrlich circa 20 Milliarden Euro kostet, w\u00e4hrend die Forschung f\u00fcr die Wasserstofffusion sich im dreistelligen Millionenbereich f\u00fcr Deutschland abspielt. Die \u00a0Gr\u00fcnen meinen, dass dieses Geld bei der Entwicklung erneuerbarer Energieformen fehlen w\u00fcrde und dass diese Technik wiederum zu zentralen gro\u00dfen Energieversorgern f\u00fchren wird. Letzteres ist nat\u00fcrlich richtig, aber wenn wir eine st\u00e4ndige und stabile Versorgung mit Strom realisieren wollen, werden wir um diese und andere Gro\u00dfprojekte nicht herumkommen. Nichtsdestotrotz findet hier eine gro\u00dfartige internationale Forschung statt, in die bereits ungeheure Summen hineingeflossen sind, aus denen bereits hervorragende Ergebnisse als Nebeneffekte, insbesondere auch bez\u00fcglich der Supraleitung herausgekommen sind, die bekanntlich auch f\u00fcr alle anderen Energieformen von tragender Bedeutung werden k\u00f6nnte, wenn man die Energie \u00fcber l\u00e4ngere Strecken verlustarm weiterleiten m\u00f6chte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei einem hochenergetischen Zusammensto\u00df von Wasserstoffkernen (Protonen) wird Energie frei. Das ist das Prinzip, wie die Sonne funktioniert. Dies versucht man angemessen auf der Erde nachzuvollziehen. 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