Politische Situation in Deutschland zur Wasserstofffusion

Die Grünen, genauer die Fraktion der Grünen, haben 2019 im Bundestag einen Antrag eingebracht http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/19/102/1910221.pdf,

1. Die Gelder für das ITER-Projekt nicht als Klimaschutzmaßnahme auszuweisen und

2. Die Energieforschung auf das Erreichen  der Energiewende auf der Basis Erneuerbarer Energien  … zu konzentrieren.

Es gibt gewiss einige Gründe dem ersten Punkt zuzustimmen. Im 2. Punkt wird es nicht explizit gesagt, aber letztlich gemeint, dass man das ganze Projekt nicht weiter unterstützen sollte, da die Gelder an anderer Stelle besser verwendbar wären. Dass sie dabei internationale Verpflichtungen fast schon in Trumpscher Manier mit den Füßen treten, macht eigentlich nur sprachlos. Ein internationales Friedensprojekt, einen gewaltigen wissenschaftlichen Fortschritt, wie er jetzt schon sichtbar ist, obwohl ein Ende dieses Projektes noch nicht absehbar ist, aufzukündigen, kann man nur als katastrophales politisches Versagen bezeichnen. Der 2. Punkt scheint auch zu zeigen, dass man sich bei den Grünen durchaus nicht einig ist, sonst wäre er klarer formuliert worden. Wenn man den extrem ITER-feindlichen Flügel der Grünen studieren will, dann sind die Beiträge von MDB Sylvia Kotting-Uhl empfehlenswert, u. a. https://kotting-uhl.de/site/europaeische-energieforschung-auf-dem-atomaren-irrweg/. Ein paar Zitate: „Die Fusionsforschung ist ein Milliardengrab ohne Aussicht auf nennenswerte Erfolge…. Die zentrale, schlecht regelbare Großstromerzeugung von Fusionsreaktoren ist schon heute nicht mehr zeitgemäß. …  produzieren Atommüll, für den es bisher kein Endlager gibt.“ Und nun nimmt sie auch die SPD für sich in Anspruch „Es ist gut und richtig, dass Umweltministerin Hendricks das Vorhaben der EU-Kommission als „verrückte und unverantwortliche Idee“ geißelt und Wirtschaftsminister Gabriel feststellt, dass „wir jede Form der europäischen Förderung von Atomenergie ablehnen“.“

Schema: Wasserstofffusion ist Atomenergie, Atomenergie ist schlecht. So macht sich Klein-Fritzchen oder Klein-Sylvia die Welt einfach.

2015 hatte sich im Bundestag Sigmar Gabriel damals als Wirtschaftsminister der Grundhaltung der Grünen weitgehend angeschlossen. Man kann sich nicht vorstellen, dass er dabei auf große Gegenliebe z. B. bei Manuela Schwesig gestoßen ist, die eine ausgesprochene Befürworterin der Wasserstofffusions-Forschung ist, da sie natürlich ein großartiges Aushängeschild für Ihr Bundesland Mecklenburg-Vorpommern ist. Dennoch, dass damals Gabriel im Bundestag leichtsinnig solche Äußerungen gemacht hat, zeigt wohl dass es innerhalb der SPD auch ähnlich kleinkariertes Denken wie bei den Grünen geben könnte. Es geht wie immer mal wieder ums Geld. Es spielt dabei keine Rolle dass das EEG dem Steuer- und Gebührenzahler jährlich circa 20 Milliarden Euro kostet, während die Forschung für die Wasserstofffusion sich im dreistelligen Millionenbereich für Deutschland abspielt. Die  Grünen meinen, dass dieses Geld bei der Entwicklung erneuerbarer Energieformen fehlen würde und dass diese Technik wiederum zu zentralen großen Energieversorgern führen wird. Letzteres ist natürlich richtig, aber wenn wir eine ständige und stabile Versorgung mit Strom realisieren wollen, werden wir um diese und andere Großprojekte nicht herumkommen. Nichtsdestotrotz findet hier eine großartige internationale Forschung statt, in die bereits ungeheure Summen hineingeflossen sind, aus denen bereits hervorragende Ergebnisse als Nebeneffekte, insbesondere auch bezüglich der Supraleitung herausgekommen sind, die bekanntlich auch für alle anderen Energieformen von tragender Bedeutung werden könnte, wenn man die Energie über längere Strecken verlustarm weiterleiten möchte.